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Flagge zeigen – auf in die Soers!

„Wir sind nicht gut, aber wir sind viele und wir haben Spaß!“ - mit diesem kühnen Spruch fing der Spaß vor einigen Wochen an. Und obwohl daheim in so manchem Verein Neid und Missgunst wucherten – niemand musste sich heute in Aachen schämen oder kleinmachen, als zur Eröffnungsfeier des CHIO 86 Islandpferdereiter samt Tross aus ganz Deutschland angereist waren. Ganz im Gegenteil.

Heute war ein großer Tag für unsere engagierten Freizeitreiter.

 

Ein guter Teil von ihnen hatte die von Sacha Eckjahns choreografierte Quadrille nicht üben können, und manche Pferde machten ihrem Unmut über das Fahnengeflatter Luft.

Doch die Idee von CHIO-Koordinator Volker Raulf, die quirligen Tölter für mal was richtig Großes in die Soers zu holen, motivierte und sorgte für den nötigen Schwung, Probleme zu bewältigen. Und so musste tatsächlich nur ein Pferd wegen fehlender Nerven ausscheiden. Alle anderen meisterten die einzige gemeinsame Probe auf dem Abreiteplatz zwischen Kutschen und russischen Vollblütern mit Bravour.

Der Tag hatte schon fröhlich begonnen:

In Windeseile war am Morgen ein Islandpferdelager entstanden – darin sind unsere Reiter ja unerreicht: Paddock mit Litze und Strom, Campingmöbel, Sonnenschirm – fertig. Die Pferde knabberten Gras und waren entspannt – eine friedliche Atmosphäre herrschte im Islanddorf.

Gegen Mittag gab es dann in brütender Hitze Lagebesprechung mit Quadrillenmeister Sascha Eckjahns, der gleich ein paar Änderungen ankündigte: man wünschte u.a. die Islandpferde nun auch als Kulisse für die Medienpreisverleihung (in Aachen eine Art kleiner Orden). Eckjahns ist zuversichtlich, daß das alles kein Problem für die Isireiter darstellt. Recht sollte er behalten.

Die Generalprobe verläuft so wie alte Showhasen sich das wünschen: ein bisschen Durcheinander, ein paar Probleme, kleinere Katastrophen wie verlorene Fahnen, durchgehende Pferde. Die Stimmung indes bleibt gut, obwohl das Thermometer beinah 30 Grad anzeigt, Claus Paulus zeigt als Showbildleiter keinerlei Verschleißerscheinungen.

 

Noch eine Stunde bis zur Eröffnung. Man putzt ein letztes Mal, erzählt Geschichten. Wie oft das Pony mit der Fahne geübt hat. Daß man für die Veranstaltung ein Pferd geliehen bekam. Auf welchen Messen man schon dabei war. Der älteste Teilnehmer zählt 21 Jahre: Tavli aus Aachen ist an Cushing erkrankt und stellte aber dennoch seine Nervenstärke und Ausstrahlung eindrucksvoll unter Beweis.

Aus dem Süden waren mit schnellen Ponies Kai-Anna und Svenja  Braun mit Freundinnen angereist.

Als sie das riesige Springstadion erblicken, bleibt ihnen der Mund offen stehen und die Coolness erlischt erst mal. Doch für Nervosität ist kaum Zeit, denn kurz darauf geht es auch schon los – rüber in die Soers, und fast ohne Pause zum Hintereingang, auf die Minute pünktlich.

Die Schranke öffnet sich - und 86 Islandpferde sprudeln zu lauter Musik und Applaus ins vollbesetzte riesige Springstadion. Sie durchqueren die unendliche Weite und tölten akkurate Figuren, als gehöre das zu ihrem täglichen Programm! „Wat nette Ponys!“ rufen alteingesessene Öcher CHIO-Gängerinnen begeistert aus, „Wat nett!“

Geschmückte Hindernisse, Riesenmatruschkas und rote Gummimatten werden nicht mal schief angeschaut, und der Halbkreis vor der Bundeskanzlerin war eine ebenso ebenmäßige Perlenschnur wie die perfekt gerundeten olympischen Ringe und das wirklich harmonische Ausreiten. Als letzte verlassen Kai-Anna und Svenja die Soers im fliegenden Rennpass – unter tosendem Applaus. Das Aachener Publikum kann Leistung feiern wie kaum ein anderes.

Manches Pferd zeigte heute den Tölt seines Lebens, und die bewegenden Momente, als die Tribünen vorbeiflogen, werden allen Teilnehmern im Gedächtnis bleiben. Der Plan der Organisatoren ist aufgegangen und trug unvergessliche Blüten: Islandpferde in der Soers sind eine Bereicherung und sollen wenn möglich wiederkommen.

©Dagmar Trodler